Schule in Frankreich: Ein Erfahrungsbericht

Salut, ich heiße Sarah und ich habe mich für einen Monat in das große Abenteuer Auslandsaufenthalt in Grenoble gewagt. Meine Austauschschülerin war bereits im Schuljahr davor für drei Monate bei mir und ich habe mich sehr auf das große Wiedersehen gefreut.

In den ersten Tagen verstehe ich die scheinbar einfachsten Fragen nur in Zeitlupe wiederholt und meine WörterbuchApp ist ständig in Gebrauch. Doch da meine Austauschfamilie total nett ist, fühle ich mich echt wohl. Besonders der kleine Bruder hat es sich zur Aufgabe gemacht, mein Französisch auf Vordermann zu bringen. Das Essen ist lecker, und ganz nach dem Klischee gibt es nach dem Hauptgericht noch ganz viel Käse und ein Gläschen Wein.

Nach dem Wochenende folgt mein erster Schultag – im Internat, denn wir wohnen abseits eines Dorfes in den Alpen. Im Internat ist es ganz anders als ich es mir vorgestellt habe. Das Gebäude ist ein modernes kleines Hochhaus. Direkt daneben liegt die Schule für insgesamt über 2000 Internatler und Externe im Alter von 14 bis 18 Jahren. Unterricht findet jeden Tag von 8 bis 18 Uhr statt, mittwochs ausgenommen, wo man nachmittags machen kann, was man möchte. Es werden extern Sportaktivitäten, wie Klettern oder Fitness angeboten, aber man kann auch an der Schule Schwimmen, Fußball spielen und Leichtathletik machen.

Der Unterricht ist sehr anstrengend. Obwohl dieser unserem sehr ähnelt, arbeiten alle (!) Schüler viel konzentrierter und bleiben bis zum Ende der letzten Schulstunde diszipliniert. Mein Gehirn hingegen schwächelt bereits nach der sechsten Stunde. (Einige der anderen fünf deutschen Austauschschüler meiner Klasse schlafen im Unterricht sogar ein!) Um zwölf essen wir in der Mensa. Es schmeckt zwar nicht wirklich, aber wir Deutschen essen (im Gegensatz zu den Franzosen) trotzdem alles auf, weil es hier in der Schule zwischendurch keine Snacks oder Getränke gibt.

In den Naturwissenschaften sind die Franzosen unschlagbar, Englisch wiederum ist eine kleine Katastrophe… Vom Deutschunterricht bin ich dementsprechend überrascht, denn in dem Abiturkurs ABIBAC sprechen die Franzosen unsere Sprache fantastisch. Bei einigen war ich mir anfangs unsicher, ob sie Deutsche oder Franzosen sind! Man merkt, dass die meisten von ihnen zwischen drei Monaten und einem Jahr in Deutschland waren und nun in der Schule etwa zehn Stunden Deutschunterricht pro Woche haben.

Von den zwei Wochen Ferien verbringen wir eine in Paris. Unsere Wohnung liegt am Montmartre, dem Künstlerviertel. Ich bin begeistert von den Straßenkünstlern. Noch nie habe ich so viel Talent, Kreativität und Individualität gesehen wie hier. Auch die Stadt ist ein Traum. Wir sehen uns so ziemlich alles an, was es gibt, so dass die Woche wie im Flug vergeht.

Fazit meines Austauschmonats: Mein Französisch hat sich auf jeden Fall deutlich verbessert. Besonders meine Aussprache und mein Vokabular haben vom Aufenthalt profitiert. Insgesamt war Frankreich ein tolles Abenteuer, das ich jedem, der offen für Neues ist, empfehlen kann. Ich habe nicht nur sprachlich viel gelernt, sondern auch kulturell und menschlich, und ich würde es jeder Zeit wieder tun!

Sarah Heuser, Q1 (Schuljahr 2015/16)