Politisch-historisches Forum

Schülerinnen und Schüler haben eine Stimme! – Ergebnisse der Juniorwahl 2021

Zum Wahllokal gehen und seine Stimme abgeben – das galt nicht nur für die Bundestagswahl am vergangenen Sonntag. Auch über 300 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums am Stadtpark der Stufen 9 – 11 votierten vom 20.09. bis 24.09.2021 für eine der vielen Parteien, die im Wahlkreis Neuss II / Krefeld I auf dem Stimmzettel standen. Und zwar bei der Juniorwahl.

Die Wahlhelfer – Schüler der Stufe 11 aus dem Projektkurs „Europa“ unter der Leitung von Frau Hopmann und Herrn Zumbrink unter Mithilfe von Herrn Blessing – legten vorab Wählerverzeichnisse an, führten die Wahl durch und zählten später die Stimmen aus. Alles wie bei einer echten Wahl!

Wie ging nun die Wahl aus? Das sind die Zahlen für die Wahlen am Stadtpark-Gymnasium:

Erststimmen:

Zweitstimmen:

Gewinne der FDP bzw. Grüne sowie Verluste der CDU fielen also an unserer Schule noch deutlicher aus als bei der Bundestagswahl.

Hier finden Sie die Ergebnisse der Juniorwahl bundesweit: https://www.juniorwahl.de/juniorwahl-btw-2021.html

Bundesweit waren über 4.500 Schulen an der Juniorwahl beteiligt. Seit 1999 wird die Juniorwahl als „Best-Practice-Projekt“ zur politischen Bildung zu Landtagswahlen, Bundestagswahlen und Europawahlen durchgeführt. Seither haben sich  schon mehr als 3 Millionen Jugendliche beteiligt, wodurch die Juniorwahl zu den größten Schulprojekten in Deutschland zählt.

Barbara Hopmann, Christian Blessing und Thomas Zumbrink

Zeitzeugenvortrag für die Geschichtskurse der Q2

Schwimmend in die Freiheit

Das ist der Titel des Zeitzeugenvortrages von Hartmut Richter, den die Geschichtsschüler der Q2 am 8.12. hören werden. 

Hartmut Richter verweigerte bereits als Schüler die Zusammenarbeit mit der SED. Er lehnte es ab, seinem Pionierleiter über seine Mitschüler Bericht zu erstatten oder der FDJ beizutreten. Als Dreizehnjähriger beobachtete er den Mauerbau in der Bernauer Straße. Kurz vor dem Abitur versuchte er als 18-Jähriger, im Januar 1966 über die tschechisch-österreichische Grenze in den Westen zu gelangen. Doch der Fluchtversuch scheiterte. Ein erneuter Fluchtversuch Ende August 1966 gelingt: Hartmut Richter schwimmt bei Dreilinden durch den Teltowkanal nach West-Berlin, lange muss er dabei im Wasser ausharren. Die Fluchterfahrung prägt ihn sein ganzes Leben. In West- Berlin angekommen, begann er zunächst Freunde und Verwandte aus der DDR herauszuholen. Auf den Transitstrecken zwischen Westdeutschland und Berlin gelangen 33 Menschen mit seiner Hilfe in den Westen, bis ein Kontrollposten 1975 seine Schwester im Kofferraum seines Autos entdeckte. Das Bezirksgericht Potsdam verurteilte ihn unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu 15 Jahren Gefängnis, von denen er fünf verbüßte, bevor er von der Bundesrepublik freigekauft wurde. In West-Berlin engagierte er sich bei der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte und warf Flugblätter über die Mauer. Heute arbeitet Richter für die „Vereinigung der Opfer des Stalinismus“, hält Vorträge und begleitet Schüler- und Besuchergruppen in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Für seine Arbeit als Fluchthelfer erhielt er 2012 das Bundesverdienstkreuz am Bande. 

B. Hopmann

Projekttag „Fluchtpunkte“ für SoWi-Kurse der Q2

Fluchtpunkte – Perspektiven auf Flucht aus, in und nach Deutschland

Schul-Demokratieprojekttag mit Schülerinnen und Schülern der Q2

Asylbewerber, Flucht aus Syrien oder Afghanistan, Balkan- oder Mittelmeerroute oder Dublin-Abkommen – Themen, die seit 2015 ins Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung getreten sind. Aber was bedeuten diese konkret? Welche Folgen haben die Fluchtbewegungen für die Betroffenen und für die Gesellschaft in Deutschland? Solche und weitere Fragen standen im Mittelpunkt des Projekttages „Fluchtpunkte“ am 3.9.2020.

31 Schülerinnen und Schüler der Sowi-Kurse (LK von Herrn Zumbrink und GK von Herrn Voßwinkel) aus der Q2 setzten sich mit diesen Fragen intensiv auseinander. Zunächst gab es im ersten Block einen umfassenden Input durch die Moderatoren des Veranstalters Multivision e.V., die mit Quizz, Videos und Gesprächen den Aspektreichtum der Migrationsfrage, z.B. von Vorurteilen, Fakten zu Flüchtlingsströmen oder rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und der EU, aufzeigten.

Im zweiten Block kamen die Schülerinnen und Schüler des LKs zum Zuge: Mit vier vorbereiteten Präsentationen verdeutlichten sie, wie kompliziert das Asylrecht bzw. -verfahren in Deutschland gestaltet ist.

Direkt daran anschließend erzählte der Zeitzeuge Mario Röllig anschaulich und mitreisend, wie er als damals unpolitischer Jugendlicher in der DDR ins Visier der Stasi (Staatsicherheit) geriet, ihm in der DDR alle Chancen verbaut wurden und seine Flucht buchstäblich auf den letzten Metern vereitelt wurde. Resultat: Verhöre und Haft in Hohenschönhausen, psychische Folter, ein Leben in Angst. Die BRD kaufte ihn 1988 gegen Lösegeld frei. Was war sein „Vergehen“? Er wollte der Aufforderung des Stasi, seinen westdeutschen Freund als IM (informellen Mitarbeiter) auszuspionieren, nicht nachkommen und ließ sich auch nicht einschüchtern … – Für viele waren diese 45 Minuten mit Herrn Röllig der Höhepunkt der Veranstaltung.

Im dritten Block waren Experten und Betroffene zum Thema Flucht und Asyl vor Ort: Herr Amiri (Geflüchteter aus Afghanistan), Frau Sittel-Essabik (Flüchtlingsrat Krefeld), Herr Meurer (Seebrücke Krefeld), Frau Schlimnat (Flüchtlingskoordination) und nochmals Herr Röllig. Fragen zu Fluchterfahrungen, Integrationsschwierigkeiten und -hilfen, Möglichkeiten und Grenzen der Stadt Krefeld bzw. des Flüchtlingsrates kamen hier zur Sprache. Es wurde auch durchaus kontrovers diskutiert, z.B. inwieweit die Seenotrettung, wie sie die Seebrücke Krefeld unterstützt, im Mittelmeer angesichts der lybischen Schlepperbande sinnvoll gestaltet werden sollte. Oder ob die derzeitige Duldungs-Praxis in Deutschland den Menschen eine Chance bietet, in Deutschland Fuß zu fassen.

Festzuhalten bleibt: Die Perspektiven der Schülerinnen und Schüler auf das Thema „Flucht“ hat sich sicherlich erweitert: Die tiefen Einblicke, die Geflüchtete in ihre Schicksale gewährt haben, der Blick in das Dickicht des Regelwerk zum Asylrecht, der Überblick über die Vielschichtigkeit des Themas – all das wird zu mehr Durchblick zu einem der wichtigsten politischen Streitpunkte der letzten fünf Jahre beigetragen haben.

Thomas Zumbrink