Zum Hauptinhalt springen

Vom Schulsozialarbeiter zur EM-Silbermedaille: Daniel Kehl erfüllt sich seinen Basketballtraum

Krefeld-Uerdingen. Einmal bei einer Europameisterschaft dabei sein und um eine Medaille spielen – für Daniel Kehl ist dieser Traum in Athen wahr geworden. Der Schulsozialarbeiter des Gymnasiums am Stadtpark in Uerdingen gewann mit seiner Mannschaft bei der Basketball-Europameisterschaft der FIMBA die Silbermedaille. Für den gebürtigen Norfer ist es der größte sportliche Erfolg seiner bisherigen Karriere.

„Ich bin unfassbar stolz auf diese Silbermedaille“, erzählt Kehl. Für ihn zeigt der Erfolg vor allem eines: „Man sieht, dass man sich unabhängig vom Alter noch einen Traum erfüllen kann.“ Die Reise nach Athen sei dabei nicht nur sportlich, sondern auch menschlich ein ganz besonderes Erlebnis gewesen. „Es war eine sehr tolle Reise mit dem Team.“

Dabei hätte der Weg ins Finale kaum spannender sein können. In der Vorrunde setzte sich Kehls Mannschaft gegen die Konkurrenz durch und sicherte sich unter insgesamt 27 Teams den ersten Platz. Im Viertelfinale traf das Team auf Polen und gewann die Partie souverän. Im Halbfinale wartete schließlich die griechische Heimmannschaft. In einem heiß umkämpften Spiel behielt Kehls Team die Nerven und zog mit einem knappen Sieg ins Finale ein.

Dort wartete Italien. Drei Viertel lang führte Kehls Mannschaft und durfte vom großen Triumph träumen. Doch im letzten Viertel drehte sich die Partie noch einmal. Am Ende musste sich das Team mit sieben Punkten geschlagen geben. „Gold verloren, aber Silber gewonnen“, fasst Kehl das Finale zusammen. Die Enttäuschung über die verpasste Goldmedaille wich schnell dem Stolz über das Erreichte. Die Silbermedaille ist für ihn der größte Erfolg seiner sportlichen Laufbahn.

Auch abseits des Basketballfeldes bot die Reise nach Athen zahlreiche besondere Momente. Zu den Höhepunkten gehörte der Besuch der Akropolis. Ein weiteres Erlebnis war ein Spiel gegen England in der SUNEL Arena, der Heimspielstätte von AEK BC, in der normalerweise Spiele der griechischen Liga und internationale Partien ausgetragen werden. Die Halle fasst rund 9.000 Zuschauer und bot eine beeindruckende Kulisse.

Eine besondere Begegnung gab es für Kehl in Athen zudem abseits des Basketballs. Zufällig traf er dort eine Schülerin des Gymnasiums am Stadtpark. Auch sie ist sportlich sehr erfolgreich und gehört zur U19-Wasserball-Nationalmannschaft. Für Kehl war diese zufällige Begegnung in Athen eine schöne Überraschung und ein weiteres Beispiel dafür, dass sich Sportlerinnen und Sportler manchmal auch fernab der Heimat begegnen.

Besonders beeindruckt war Kehl von der großen Altersspanne der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bei der FIMBA-Europameisterschaft treten auch Basketballerinnen und Basketballer im Alter von 80 Jahren und älter an. Für Kehl ist das inspirierend: Es zeigt, dass man auch im fortgeschrittenen Alter sportlich aktiv sein und sich neue Ziele setzen kann.

Seine Basketballgeschichte begann vor rund 40 Jahren beim TSV Norf. Seine sportliche Laufbahn führte ihn bis in die zweite Bundesliga. In Krefeld war Kehl mehrere Jahre für Bayer Uerdingen aktiv und spielte zudem für die Krefeld Panthers in der zweiten Bundesliga. Vor sechs Jahren kehrte er zu seinen Wurzeln zurück und half dabei, die Basketballabteilung des TSV Norf neu zu beleben. Heute engagiert er sich dort als stellvertretender Abteilungsleiter, U8-Trainer und Spielertrainer der ersten Herrenmannschaft. Die Abteilung wächst stetig und tritt unter dem Namen „The Norf“ auf.

Seine Erfahrungen aus dem Sport nimmt Kehl auch in seine tägliche Arbeit als Schulsozialarbeiter am Gymnasium am Stadtpark in Uerdingen mit. Für ihn bietet Sport eine hervorragende Möglichkeit, jungen Menschen wichtige Werte zu vermitteln. Teamgeist, Zusammenhalt, Disziplin und der Umgang mit Erfolgen und Niederlagen sind Erfahrungen, die Kinder und Jugendliche auch in anderen Lebensbereichen stärken können. Gleichzeitig möchte Kehl vermitteln, dass es sich lohnt, Zeit und Energie in sich selbst zu investieren, Neues zu lernen und regelmäßig zu trainieren, um ein persönliches Ziel zu erreichen. Denn Erfolge kommen meist nicht von allein – sie sind das Ergebnis von Ausdauer, Einsatz und dem Willen, auch dann weiterzumachen, wenn es einmal schwieriger wird.

Vielleicht kann seine Geschichte auch die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums am Stadtpark dazu motivieren, eigene Ziele zu verfolgen und neue Dinge auszuprobieren. Für Kehl ist es wichtig, jungen Menschen zu zeigen, dass es sich lohnt, an sich zu glauben und sich Herausforderungen zu stellen. Dabei spielt für ihn auch das ehrenamtliche Engagement eine wichtige Rolle. Wer sich für andere einsetzt und Verantwortung übernimmt, kann nicht nur selbst viel lernen, sondern auch ein Vorbild für Jüngere sein.

Für Daniel Kehl bleibt die Silbermedaille von Athen ein ganz besonderes Erlebnis. Und vielleicht geht die Reise schon bald weiter: Im kommenden Jahr findet die FIMBA-Weltmeisterschaft in Brasilien statt. Ob Kehl dort wieder selbst auf dem Basketballfeld stehen wird, ist derzeit noch offen. Eines hat er in Athen aber eindrucksvoll gezeigt: Träume kennen kein Alter – und manchmal ist es nie zu spät, sie wahr werden zu lassen.

Redaktion